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2.

Deutsch-Reichenau bei Gratzen (Nemecky Rychnov). Cechner 32

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Die Pfarrkirche, dem hl. Aegidius geweiht, wird zum ersten Mal urkundlich im Jahre

1261 angeführt, als Agnes, Witwe nach Pilgrim von Wittingau dem Stifte Hohenfurt

unter anderem auch das Patronatsrecht über die Reichenauer Kirche geschenkt

hatte. Die Kirche wurde am 29. Juni 1261 durch den Prager Bischof Johann

eingeweiht.

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In den hussitischen Kriegen wurde das Gottes Haus ruiniert und sein

Neubau war im Jahre 1500 noch nicht fertig, da im selben Jahre der Administrator

der Prager Erzdiözese Ablässe „zur Förderung des Kirchenbaues“ bestätigt, obwohl

die renovierte Kirche schon am 12. September 1491 durch den Weihbischof Benedikt

von Waldstein geweiht worden war. Im Jahre 1593 stürzte der mit Ziegeln gedeckte

Kirchturm bis auf den Grund ein, samt den Glocken, von denen nur eine zerbrach. Im

Jahre 1845 und abermals 1866 sind alle wertvollen zum Gottesdienst dienenden

Gegenstände gestohlen worden. Im Jahre 1870 wurden die Strebepfeiler um das

Schiff neu hergestellt.

Das orientierte Gebäude

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aus teilweise verputztem Bruchsteinmauerwerk steht am

Dorfplatze an der nach Gratzen führenden Straße und ist ans dreijochigem

Langhaus, östlichem rechteckigem Presbyterium mit kleiner neuerer Sakristei und

einem wuchtigen Turm zusammengesetzt. Von außen bilden die einzige Zierde des

schlichten Baues acht Strebepfeiler aus Hackelsteinen, ohne Absatz, auf glatten,

oben abgeschrägten Sockeln, mit dreieckigen in die Quaderpultverdachungen

einschneidenden Giebeln. Die Abstufung der zum mittleren, die nördliche Vorhalle

flankierenden Pfeiler wurde im Jahre 1870 bei der Herstellung sämtlicher

Strebepfeiler in der gegenwärtigen Form vorgenommen.

Der zweigeschossige Turm zeigt Renaissanceformen in der aus Mörtel ausgeführten

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Cechner, Anton, Topographie der historischen und Kunst-Denkmale in Böhmen von der Urzeit bis zur Mitte des XIX.

Jahrhunderts, 42. Band Der Politische Bezirk Kaplitz, Prag 1929

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Nach späteren Angaben war die Weihe im Juni 1259. Die Schenkung der Kirche an das Stift Hohenfurt war am 29. Juni

1261. Es muss sich hier um eine Verwechslung handeln.

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Das meint: Nach Osten ausgerichtetes Gebäude.